Ansätze zu einer Antifragilitätsökonomie

Ansätze zu einer Antifragilitäts-Ökonomie

© 2018 Michael Ghanem
ISBN:
978-3-7469-0847-2 (Paperback)
978-3-7469-0848-9 (Hardcover)
978-3-7469-0849-6 (e-Book)

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
Seitenanzahl: 280
Größe: 17,0 cm x 22,0 cm
Erscheinungsdatum: 31.01.2018

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Inhalt

Digitalisierung, Elektromobilität, Gentechnologie, Industrie 4.0 und andere technische Revolutionen werden sich in allen Bereichen der Gesellschaft und Wirtschaft vollziehen und stellen uns vor gewaltige Herausforderungen. Am stärksten wird die menschliche Arbeit davon betroffen sein, die nicht mehr so sein wird wie zuvor.

Mit der heute vorherrschenden neoliberalen Ausrichtung der Wirtschaft und der Finanzwelt wird diese Entwicklung nicht zu bewältigen sein. Wenn keine grundlegenden Änderungen eintreten, werden breite Teile der Gesellschaft verarmen, die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich wird weiter zunehmen. Damit verbunden droht die Zunahme von nationalistischen, politisch-xenophoben Bewegungen in Deutschland und in Europa, die unser politisches System der Demokratie in Frage stellen.

Mit einer Ökonomie der Antifragilität können diese drohenden Konsequenzen gemildert werden. Sie sieht den Menschen als Kern des Wirtschaftsgeschehens, und nicht das Kapital.

Leseprobe:

Vorwort

Der Autor wurde mit Beginn seines Studiums in Deutschland im Jahr 1966 mit den sozial-ökonomischen Problemen der damaligen Gesellschaften konfrontiert. Diese Probleme wurden ihm während seiner berufsbedingten Aufenthalte in Afrika noch deutlicher sichtbar. Bereits mit Beginn seines Studiums wurde er Zeitzeuge des wissenschaftlichen Streits zwischen der neoliberalen und der keynesianischen Wirtschaftspolitik, der die damaligen Diskussionen an den Universitäten bestimmte. Ab der Mitte der 70er Jahre haben die neoliberale Wirtschaftspolitik und die zunehmende Globalisierung die gesamte Wirtschaft und den Finanzsektor sowie die Lehre an den Universitäten geprägt.

Hier ist die Rolle der „Chicago Boys“ sowie von Milton Friedmann und Friedrich A. Hayek bei der Konterrevolution in Chile in 1973 zu erwähnen. Diese hatten eine entscheidende Wirkung auf die deutsche und die weltweite Wirtschaftspolitik, sodass sogar die Deutsche Bundesbank als einzige Zentralbank der Welt sich die Lehre des Milton Friedmann zu Eigen gemacht hat. Damit hatte die Zentralbank als einzige Aufgabe nur noch die Geldwertstabilität.

Hier muss festgestellt werden, dass in der deutschen Bevölkerung eine latente Angst vor Inflation herrschte und herrscht. Diese wurde über den falsch hergestellten Zusammenhang zwischen der Inflation von 1923 und der Massenarbeitslosigkeit von 1929-1932 und dem darauf folgenden Aufstieg von Hitler verstärkt. Hier ist festzustellen, dass von 1924 – 1929 de facto in Deutschland, in Europa und in der Welt ein Wirtschaftsboom vorhanden war und dass durch eine falsche Währungspolitik, Spekulation an der Börse und durch Deflation und Isolationismus die USA, Europa und Deutschland in eine Wirtschaftskrise gestürzt wurden. Es ist auch festzustellen, dass während der Boom-Jahre ein kleiner Teil der Bevölkerung sehr reich geworden war und ein großer Teil der Bevölkerung verarmte. Dies hat wiederum soziale Unruhen hervorgerufen und den Weg für Hitler vorbereitet.

Hitler hat mit seinem Autobahnbau und der Produktion von Kriegswaffen nichts anderes als das keynesianische Modell in der ersten Phase umgesetzt und damit die Arbeitslosigkeit in sehr kurzer Zeit stark reduziert. Dass seine Programme automatisch zum Krieg führen würden, war manchen kritischen Denkern der damaligen Zeit bewusst geworden.

Der neo-liberale Ansatz, der sehr stark auf der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik beruht, hat verknüpft mit dem Irrglauben an eine zügellose Globalisierung (hier möchte der Autor klarstellen, dass er kein ausgesprochener Gegner der Globalisierung ist, sich diese aber mit fairen Mitteln und mit strengen Auflagen versehen wünscht) dazu geführt, dass die Volatilität des Kapitals in inflationärem Maß zugenommen hat und ein Nomadentum hinsichtlich der Produktionsstandorte und der neue Sport der Steuervermeidung entstanden sind.

Bedenkt man, dass die Philosophie des Friedrich A. Hayek, der als einer der Väter des Neoliberalismus gilt, besagt, dass jegliche staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft den „Weg zur Knechtschaft“ bedeuten, so darf man sich nicht wundern, dass seine geistigen Kinder stets den „schlanken Staat“ predigen. Wenn jedoch ein schlanker Staat gewünscht wird und damit primäre staatliche Aufgaben privatisiert werden – sei es in der Bildung (wie in USA und Chile u.a.) oder in der Inneren Sicherheit mit dem Aufkommen von Bürgerwehren und Bodyguards, oder im Gesundheitswesen, in dem die Reichen die beste und die Ärmeren kaum eine Versorgung erhalten – dann ist die logische Folge, dass man weniger Steuern zu zahlen hat. Es ist jedoch zu bedenken, dass der reiche Teil der Bevölkerung den größten Anteil an der Einkommenssteuer entrichtet. Daher dürfte vor allem die Steuerlast der Reichen und Mächtigen reduziert werden.

Damit verbunden ist aber auch, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich weiter vergrößert – und dies ist in den letzten 35 Jahren in den USA, in Europa und in Deutschland eingetreten. Einen weiteren Punkt stellt in diesem Zusammenhang die Weigerung von multinationalen Konzernen dar, Steuern zu entrichten. Ihre besteuerbaren Hauptsitze werden neuerdings in sogenannte „Steuerparadiese“ verschoben. Diese Konzerne nutzen nicht nur die Infrastrukturen, die der Rest der Steuerzahler finanziert, sondern sie werden auch noch immer mächtiger, sodass ihre Macht für die meisten Staaten bedrohlich werden kann.

Vor diesem Hintergrund finden vier technische Revolutionen statt, die sowohl die Arbeitswelt als auch die Denkstrukturen der Bevölkerung, die staatlichen Strukturen und die Finanzierungsmöglichkeiten des Staates, die Altersversorgung der Bevölkerung, das Gesundheitswesen und die Umwelt in erheblichem Maß verändern werden. Diese Revolutionen finden bereits statt, ihre Konsequenzen sind aber noch nicht deutlich spürbar. Die deutsche, die europäische und der größte Teil der US-Bevölkerung sind nicht vorbereitet. Dafür trägt die mittelmäßige politische Elite einen großen Teil der Schuld.

Zu dieser Thematik hat der Autor, basierend auf tiefgreifenden Untersuchungen und Recherchen über die aktuell stattfindenden Entwicklungen der Philosophie, der Ethik, der Technik und der Wirtschaft Ansätze zu einer möglichen Veränderung des jetzigen Zustandes der Gesellschaft als eine „Anti-Fragilitäts-Ökonomie“ formuliert, die zur Diskussion steht und deren Weiterentwicklung mögliche Lösungen aufzeigen könnte. Der Autor beansprucht nicht, mit diesem Ansatz zukünftig aufkommende Herausforderungen zu meistern, vielmehr geht es ihm darum, mit seinem Beitrag Diskussionen anzustoßen und dazu beizutragen, dass zu der jetzt vorherrschenden neoliberalen Wirtschaftspolitik Alternativen entstehen – sofern man nicht in Dogmen denkt und handelt. Der Autor hat sich in diesem Buch nicht auf Informationen bezogen, die er in seinen früheren beruflichen Tätigkeiten erworben hat, sondern ausschließlich auf frei zugängliche Informationen.